Love Letter – Spielkritik

Love Letter

etwa €10
Love Letter
8.2

Spielspaß

9/10

    Umsetztung des Themas

    9/10

      Spielidee

      8/10

        Qualität des Spielmaterials

        8/10

          Thomas Bewertung

          7/10

            Pro

            • einfach zu erlernen
            • schnell Zwischendurch gespielt
            • häufige Interaktion mit den Mitspielern

            Contra

            • Thema wirkt etwas aufgesetzt

            Erläuterungen zu den Bewertungen

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            Das Spiel Love Letter

            Autor: Seiji Kanai

            Verlag: Pegasus Spiele

            Illustration: Andrew Hepworth, Jeffrey Himmelmann

            Erscheinungsjahr: 2013

            Spieleranzahl: 2-4

            Altersempfehlung: ab 8 Jahre

            Die heutige Spielkritik soll mit einem Zitat des großen Mahatma Gandhi beginnen: „Du und ich – wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen“. Dieser sehr tiefgründige Ausspruch beschreibt das vorgestellte Spielthema Liebe in vielen Facetten. Doch bevor es zur gegenseitig tief empfundenen Liebe kommt, müssen sich zwei Menschen umgarnen und sich ihr Herz schenken.

            Zur guten alten Zeit, als es noch keine Smartphones, dafür aber richtige Prinzessinnen gab, wollten diese erobert und nicht per WhatsApp angemacht werden. Zu damaligen Zeiten wurde dies am besten mit einem schönen, romantischen Liebesbrief in Angriff genommen. Dies ist auch das Ziel im Spiel, welches wir uns genauer angeschaut und gespielt haben. Im Kartenspiel Love Letter soll nämlich das Herz einer Prinzessin gewonnen werden. Um dies zu erreichen müssen die richtigen Karten gelegt werden. Es liegt Liebe in der Luft…

            Das Spielprinzip

            Liebe ist… diese Floskel ist das Spielprinzip von Love Letter und es ist sehr simpel. Jeder der zwei bis vier liebestollen Spieler übernimmt die Rolle eines Prinzen, der alles für seine angebetete Prinzessin tut. Der Prinz versucht das Herz seiner Holden mit einem superromantischen Liebesbrief zu erobern. Jedem zynischen Pragmatiker steht bei der Vorstellung der Gallensaft bis in den Mund aber es gibt sie noch, die wahren Romantiker auf Erden. Dieser Schlag von Menschen sollte jetzt lieber aufhören diese Spielkritik zu lesen, denn es kommen noch einige Liebesfloskeln. Allen Anderen wünschen wir ein schönes Abtauchen in die Welt der Romantik.

            Doch wie lässt sich das Thema Liebe in ein Kartenspiel verwandeln? Bekommt jeder Spieler eine Feder, ein wenig Tinte und ein Stück Papier und der romantischste selbstverfasste Vers siegt? Nein ganz falsch geraten! Bei Love Letter geht es um Karten mit verschedenen Rängen und Funktionen. Diese müssen in Interaktion mit den Mitspielern clever ausgespielt werden, um am Ende der Ausgewählte zu sein, der die Prinzessin „sein Eigen“ nennen kann. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht wirklich.

            Spielablauf und -Regeln

            Da die Regeln sehr einfach sind und das Spiel schnell zu erlernen ist, haben wir sie zusammengefasst, sodass der Leser nach dem überfliegen dieser Spielkritik bereits einen Überblick über die Komplexibilität und den Regelinhalt des Spieles hat.

            Jeder Spieler bekommt am Anfang reihum eine Karte auf die Hand. Derjenige, der am Zug ist, zieht eine Karte vom Nachziehstapel und er muss eine seiner beiden Handkarten ausspielen. Dabei hat jede Karte einen eigenen Effekt, der sofort eintritt.

            Die Love Letter Karten

            Die acht Love Letter Karten

            Hier ist die Bedeutung der Karten:

            (1) Die schreckliche Wächterin: Spielt jemand diese Karte aus, darf er versuchen die Handkarte eines Mitspielers zu erraten. Tippt er richtig, scheidet dieser aus und das Spiel geht mit einem Mitspieler weniger weiter. Das Mitzählen der ausgelegten Karten ermöglicht so in der späteren Phase des Spiels einen Vorteil, da die Wahrscheinlichkeiten steigen richtig zu raten.

            (2) Der fromme Priester: Hierbei darf der ausspielende Spieler sich die Handkarte eines Kontrahenten anschauen. In Verbindung mit dem Ausspielen der Wächterin oder des Barons in der nächsten Runde, kann der Mitspieler so rausgeschmissen werden.

            (3) Der duellierende Baron: Die andere Handkarte des Mitspielers wird mit der eines Mitspielers verglichen. Wer den niedrigeren Zahlenwert (links oben auf der Karte abgedruckt) hat, scheidet aus. Aber Vorsicht, damit wissen die anderen Spieler die Handkarte und können beispielsweise die Wächterin einsetzen, um den Spieler ausscheiden zu lassen.

            (4) Die verteidigende Zofe: Der Ausspieler ist für die kommende Runde vor Angriffen geschützt. Also zurücklehnen und dabei zusehen, wie die Kontrahenten sich gegenseitig rausschmeißen.

            (5) Der stolze Prinz: Hier wählt der Spieler einen Mitspieler aus, der seine Handkarte ablegt und eine Neue ziehen muss.

            (6) Der alte König: Mithilfe dieser Karte kann der Ausspielende seine andere Handkarte mit der Karte eines Mitspielers tauschen. So kann der Spieler beispielsweise seine Prinzessin loswerden, die als Karte eher unpraktisch ist.

            (7) Die eifersüchtige Gräfin: Eine Karte, die keinen wirklichen Effekt besitzt. Sie hat mehr einen verpflichtenden Zwang, denn der Spieler muss die Karte ausspielen, wenn er einen König oder einen Prinzen auf der Hand hat. Einziger Sinn dieser Karte ist, dass der Spieler bluffen kann. Durch das Ausspielen wird dargestellt, dass entweder Prinz oder König auf der Hand liegt, doch das muss ja nicht so sein.

            (8) Die schöne Prinzessin: Der Zonk oder der schwarze Peter wäre auch ein guter Name für diese Karte. Wenn der Spieler diese nämlich ausspielt, hat er sofort verloren. Daher der Tipp: nicht ausspielen! Der einzige Vorteil dieser Karte ist, dass sie den höchsten Punktewert aller Karten inne hat. Das kann am Ende des Spiels den Sieg bringen. (Dazu gleich mehr im Absatz über das Spielende)

            Anhand der Fähigkeiten der einzelnen Karten wird deutlich: Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt.

            Das Ende einer Spielrunde kann über zwei Methoden herbeigeführt werden. Entweder es sind alle Spieler bis auf einen ausgeschieden oder der Nachziehstapel ist leer und kein Spieler kann mehr eine Karte ziehen. Im ersten Fall ist dieser natürlich der Gewinner und er steigt in der Gunst der Prinzessin an.

            Der zweite Fall kommt nicht so häufig vor aber doch oft genug, um darauf zu setzen. Wenn der Nachziehstapel wirklich mal keine Karte mehr beinhaltet, gewinnt derjenige, der die Handkarte mit dem höchsten Wert hat. Für diesen Fall ist die Karte Prinzessin natürlich ideal.

            Der Sieger einer Spielrunde bekommt passenderweise ein rotes Herz aus Holz, welches ihm der Prinzessin etwas näher bringt. Anschließend werden die Karten neu gemischt und ausgeteilt. Sobald ein Spieler 5 Herzen (bei 2 Spielern), 4 Herzen (3 Spieler) bzw. 3 (4 Spieler) erhält, gewinnt er das gesamte Spiel und erhält somit die Hand der Prinzessin. Freude, eine schöne Hochzeit, sieben Kinder und ein glückliches langes Leben sind ihm somit sicher. Um das zu erreichen würde doch jeder einen Drachen töten, einen Berg besteigen oder ein Kartenspiel spielen, oder? Das Zitat „Liebe versetzt Berge“ kommt ja nicht von irgendwoher.

            Verpackung und Verarbeitung

            Love Letter ist ein einfaches Kartenspiel mit simplen Regeln und daher fällt der Inhalt des kleinen Kartons auch sehr minimalistisch aus. Es sind halt oft die kleinen Dinge im Leben, die es so lebenswert machen. Die 20 Personen- und Übersichtskarten haben ein schönes großes Format und sind sehr stabil. Auf allen Personenkarten ist der Wert und die Funktion der jeweiligen Person ausführlich beschrieben, sodass die Spieler die Übersichtskarte eigentlich nur benötigen, um zu schauen, wie oft eine Karte im Spiel vorkommt. Aber auch das sollte bei der geringen Anzahl der Karten schnell in Fleisch und Blut übergehen. Auch die Herzen sind nicht aus Pappe, sondern aus Holz und damit sehr stabil gefertigt. Ein langer Spielspaß ist damit sichergestellt.

            Love Letter Inhalt

            Zum Lieferumfang gehört Folgendes:

            • 16 Personenkarten
            • 4 Übersichtskarten
            • 12 rote Herzen aus Holz
            • eine Anleitung

            Anspruch und Glück

            Ob man gewinnt, hängt stark vom Glück beim Ziehen ab und weniger von der Stärke der vorhandenen Liebe im Herzen des Spielers. Wenn ein Spieler direkt am Anfang die Prinzessin auf die Hand bekommt, hat er eigentlich keine Chance mehr auf den Rundengewinn, da es einfach zu viele Karten gibt, die einen verraten können (z.B. der Priester). Bluffen kann man aber auch gut, in dem man die Gräfin ausspielt, obwohl man weder einen König, noch einen Prinzen auf der Hand hat. Wenn man während einer Runde sich die ausgespielten Personenkarten merkt, wird einem am Ende klar, welche Karten die Gegner auf der Hand haben müssten und so lassen sich die Effekte noch besser ausspielen. Damit ist schon ein gewisser Anspruch an die Spieler gegeben, da diese stets aufpassen müssen, was geschieht.

            Spielspaß

            Love Letter VerpackungLove Letter ein sehr gelungenes Spiel. Es ist schnell erlernt und ebenso schnell gespielt. Jede Runde dauert maximal 5 Minuten und daher ist es nicht schlimm, wenn man schon früh ausscheidet. Selbst dann fiebert man noch mit und überlegt, was die Anderen für Karten auf ihrer Hand haben könnten. Auch die Interaktion zwischen den Spielern ist hoch, da fast jede Karte einen anderen Spieler betrifft. Allerdings kommt ein richtiger Spielspaß erst ab drei Spielern auf, da das Spiel für zwei zu wenig Möglichkeiten lässt.

            Preis-/Leistungsverhältnis

            Love Letter gibt es aktuell für etwa 10€ und das ist das Spiel auch definitiv wert! Bei mir war es zugegeben ein Füllartikel um Versandkosten zu sparen. Der Kauf hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, da Love Letter bei vielen Spieleabenden zwischendurch gespielt wird.

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            Thomas's Avatar

            Love Letter ist aus meiner Sicht der perfekte Warm-Up oder Absacker für einen Spieleabend. Man braucht zwar zwei oder drei Runden um rein zu kommen aber dann laufen die einzelnen Spielrunden schnell ab. Selbst für Grübler gibt es nicht viel zu überlegen, da es nicht besonders viele taktische Möglichkeiten gibt. Zu viert macht das Mikrogame am meisten Spaß. Mir persönlich gefällt auch das Design der Karten sehr gut aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache. Das Thema wirkt etwas aufgesetzt aber trotzdem fällt man als Spieler schnell in die Rolle des liebetrunkenden Verehrers.

            Thomas über Love Letter

            Fazit

            Eine Liebe wie im Märchen, das wünschen sich viele Menschen. Darauf setzt das vorgstellte Spiel Love Letter auf, welches ein tolles Deduktionsspiel ist. Bei dem Kartenspiel kommt es zwar sehr auf das Glück an, aber das ist nicht besonders störend, da ein ausgeschiedener Spieler nur ein paar Minuten warten muss, bis er wieder mitspielen darf. Besonders hervorzuheben ist die Interaktion zwischen den Spielern. Was gibt es schöneres, als seinem Gegner mit einer Wächterin rauszukegeln oder die höhere Karte beim ausspielen des Barons inne zu haben? Ebenso ist man am Zittern, wenn sich die Prinzessin auf der Hand befindet und jemand den Prinzen ausspielt. In einer solchen Situation kann man nur hoffen und auf das Glück der Liebe vertrauen, dass derjenige einen nicht auswählt.

            Einziger wirklich kleiner Kritikpunkt ist das ein wenig aufgesetzte Thema Liebe. Das Spiel funktioniert auch mit jedem anderen Thema, was der aufmerksame Leser daran merkt, dass bereits neue Versionen im Love Letter-Stil veröffentlicht worden. Unter anderem gibt es das Spiel als Hobbit-, Weihnachtsmann- und Munchkin-Version sowie in den englischsprachigen Batman- und Adventure-Time-Versionen. Das hat aber nichts mit dem Spielspaß zu tun und so bleibt das Spiel interessant. Ohne das Wissen über andere Umsetzungen des Spiels fällt das nicht auf und das Thema ist stimmig und wirkt gut umgesetzt. Die als Briefumschlag designte Anleitung und die herzförmigen Zählsteine stützen das Flair des Themas. Von daher ist der Kritikpunkt zu vernachlässigen.

            Die Anleitung ist einwandfrei und verständlich geschrieben. In gelegentlichen Spielrunden kommt Love Letter immer wieder gerne auf den Tisch, da es ein sehr guter Absacker ist, der schnell gespielt ist und keinen großen Anspruch an die Spieler hat. Auch als Mitbringspiel für Spielabende mit Spielern, die keine große Spielaffinität besitzen ist das Deduktionsspiel gut geeignet, da die Einfachheit siegt.

            Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen sie noch heute.

             

            Autor: thomas

            Thomas spielt bereits sein Leben lang. Gerade strategische Brettspiele haben es ihm angetan. Vor allem gegen Antonia gibt es immer wieder tolle Duelle auf Augenhöhe. Spaß am Spiel und immer wieder neue Herausforderungen stehen für Thomas im Mittelpunkt.

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            2 Kommentare

            1. netter Bericht. Ich habe aufgrund dieser Spielkritik das Spiel zu Weihnachten erworben und was soll ich sagen, das Geschenk war ein voller Erfolg. Wir haben direkt am ersten Weihnachtsfeiertag die erste Runde gewagt und es hat unheimlich Spaß gemacht. In diesem Sinne danke und bitte so weiter machen 🙂 Euren Feed habe ich abonniert.

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              • Danke Petra für dein Lob 🙂 Ich hoffe, dass wir dich weiter erheitern können mit unseren Berichten…

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